Text  Anmerkung 
Es bedeutete … eine große Verkennung, eine folgenschwere Horizontverengung, wenn die Kirchenväter sich bei ihrer Beschäftigung mit der Schöpfung in der Regel auf das Hexaemeron beschränkt haben, wo doch wirklich nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich Alles dafür spricht, dass die Schöpfungsgeschichte als Heptaemeron zu verstehen, dass der Bericht vom siebenten Tage hier gar nicht zu entbehren ist. (KD III/1, 249)
Am siebenten Tag hat Gott nichts mehr, hat er in keinem Sinn ein Weiteres geschaffen, sondern stand er angesichts des letzten seiner Werke, nämlich des Menschen, und im Blick auf ihn der Schöpfung als einem in sich geschlossenen Ganzen gegenüber … Gott hört nicht auf; er fängt vielmehr gerade jetzt an, dem nun in sich geschlossenen Weltganzen als Schöpfer gegenüberzustehen, als sein Schöpfer an und in ihm tätig zu sein … Man wird das göttliche Tun dieses siebenten Tages geradezu als die feierliche Thornbesteigung Gottes gegenüber der von ihm geschaffenen Welt … verstehen müssen. (KD III/1, 249)
Indem der Mensch verwirklicht vor ihm stand, hielt Gott an in seinem Schöpfungswerk, machte der Halt an jener Grenze, ließ er sich genügen an dem, was er geschaffen hatte, hatte er den Gegenstand seiner Liebe gefunden … So ist die Bundesgeschichte real begründet in diesem Ereignis des siebenten Tages der Schöpfungswoche. So hat sie an diesem Tag schon heimlich begonnen. (KD III/1, 245)
Nicht der Mensch, wohl aber Gottes Ruhen am siebenten Tage ist die Krone der Schöpfung (KD III/1, 252)
Wie Gott sich mit seiner Ruhe nach seinen Werken seine Freiheit zu direktem Handeln und Wirken, die Möglichkeit seines unmittelbaren Selbstzeugnisses vorbehält, so soll auch der Mensch nicht in seiner Arbeit aufgehen, so soll er sich in seiner Arbeit in regelmäßiger Folge immer wieder Halt gebieten: offenbar gerade dazu, um seinerseits für jenes unmittelbare Selbstzeugnis Gottes frei zu bleiben, immer wieder offen zu sein – „damit man erkenne, dass ich, der Herr, es bin, der euch heiligt“ (Ex.31,13; Hes.20,12). (KD III/1, 255)

Bevor und ohne dass er [der Mensch] gearbeitet und gekämpft hat, gänzlich ohne sein Verdienst, wird er eingeladen, von allem eigenen Tun abzusehen und abzustehen, zu ruhen und also in Übereinstimmung mit Gottes eigenem Verhalten frei, feiernd und freudig bei sich selbst zu sein. So steht der Sabbat als Zeichen der ihm gegebenen Verheißung für ihn gerade nicht erst am Ende, sondern schon am Anfang, und zwar gerade indem es ihm gegeben wird, schlechterdings am Anfang seiner Arbeitswoche … Was dem Menschen übrig bleibt, ist dies: dass Gott das Nötige dazu wirklich geten, dass er ihn zur Teilnahme an seiner Ruhe wirklich eingeladen hat und dass er dieser Einladung wirklich Folge leisten darf. Was ihm übrig bleibt, ist also wirklich Gottes Gnade ganz allein. Indem sie dem Menschen zugewendet ist, beginnt die Geschichte des Menschen mit Gott. Sie beginnt also wirklich am Sonntag und nicht an einem Werktag. Sie beginnt mit dem Evangelium und nicht mit dem Gesetz. (KD III/1, 247)
Aber es gibt hier schließlich auch einen direkten Beweis [für die Legitimität der Sonntagsfeier]. War der von Gott gefeierte Sabbat der siebente Tag für ihn, so war er für den Menschen zweifellos der erste Tag. (KD III/1, 258)
Im Gebot des Feiertages geht es … um das menschliche Tun, das gerade als Ruhe vom eigenen Werk … in der Bereitschaft für das Evangelium besteht. (KD III/4, 55)Es zielt das Gebot des Feiertages darauf, dass der Mensch der allmächtigen Gnade Gottes auf der ganzen Linie das erste und das letzte Wort gebe und lasse, ihr gegenüber ganz und gar, im Geringsten wie im Höchsten, kapituliere, sich selbst mit seinem Wissen, Wollen und Tun bedingungslos zu ihrer Verfügung stelle. (KD III/4, 59)  
Diverses von Karl Barth