Die Trennung Englands von der römisch-katholischen Kirche und ihre Hinwendung zur Reformation hatte vor allem politische Gründe. Sie wurde von der breiten Bevölkerung weder herbeigesehnt noch entscheidend mitgetragen. Daher kommt es unter Maria Tudor, Königin von 1553-1558, zu einem Rekatholisierungsversuch. Während ihrer Herrschaft werden viele reformatorisch Gesinnte zu Märtyrern. Andere fliehen aufs Festland und lernen in Straßburg oder Genf reformatorische „Mustergemeinden“ kennen. Unter Elisabeth I. (1558-1603) kehren die Flüchtlinge nach England zurück. Es formiert sich eine Bewegung, die entschlossen ist, die englische Kirche von den katholischen Überresten in ihr zu „reinigen“. Sie erhält den Namen „Puritaner“ („die Reinen“). Während der hochkirchliche Anglikanismus vor allem von der Oberschicht getragen wird, können die Puritaner weite Teile der religiös interessierten Bevölkerung für sich gewinnen und erlangen in den ersten Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts im englischen Parlament die Mehrheit.
Der puritanische Reformeifer bezieht sich nicht allein auf die Gestaltung des kirchlichen Lebens, sondern auch auf das öffentliche Leben. In diesem Zusammenhang richtet sich das Interesse der Puritaner vor allem auf die Sonntagsheiligung, da sie in ihr die Grundlage jeglicher Reformen in Kirche und Gesellschaft sehen. So wird der Sonntag zu einem symbolträchtig und ideologisch überfrachteten Kampfplatz zweier Weltanschauungen bzw. zu einem Testfall für Religiosität überhaupt.
Das auf Betreiben der Puritaner 1657 verabschiedete Sonntagsgesetz verbot im einzelnen: „Alles Transport- und Reisegewerbe zu Wasser und zu Lande; den Wirten die Aufnahme und Beköstigung der Fuhrleute und Reisenden im Laufe des heiligen Tages, wenn sie nicht schon am Samstag eingetroffen sind, wie erst recht jeder Gasthausbetrieb für Einheimische’, jeder Handel, geschäftlich oder privat, jedes Handwerk, jedes öffentliche Vergnügen sowie ‚vainly and prophanely walking’ [nichtige und weltliche Wanderungen]. Ausgenommen sind zur die Zubereitung des Sonntagsmahles und der Milchverkauf.“
Ihr Engagement für die Sonntagsheiligung begründen die Puritaner mit dem Hinweis auf die absolute Verbindlichkeit des Dekalogs. Alle Zehn Gebote seien moralischer – und nicht zeremonieller – Natur und daher ewig gültig. Außerdem sei das Sabbatgebot eine Schöpfungsordnung.
Die entscheidende Stoßkraft erhält die Forderung nach Heiligung des Sabbats jedoch durch die Bundestheologie der Puritaner, wonach die Beachtung des Gesetzes Ausdruck der Treue zum Bund und Voraussetzung für den Segen Gottes ist. So kann Thomas Shephard formulieren: „Es ist einfach, durch die Heilige Schrift und Argumente wie auch durch die Erfahrung zu demonstrieren, dass Religion so viel bedeutet wie der Sabbat, und sie verschwindet oder wächst in dem Maß, wie der Sabbat geachtet wird … England hatte Ruhe und Frieden, bis es Gottes Sabbat störte.“
Ungeachtet ihrer Betonung der Gültigkeit aller Zehn Gebote kämpfen die Puritaner nicht für Heiligung des Sabbats, sondern des Sonntags. Einflussreich wird hier die Begründung von Nicholas Bownd. Er lehrt, dass der Sonntag in der Zeit der Apostel zum Siebenten-Tags-Sabbat geworden sei. Zwar sei der Sonntag nicht der Tag, den Gott selbst gesegnet habe und von dem das Gebot spreche. Die Apostel selbst hätten jedoch den Tag geändert. Daher seien alle Menschen verpflichtet, diesen neuen siebten Tag zu heiligen.
Die Verlegung des Sabbats auf den Sonntag ist für die Puritaner also eine göttlich-apostolische Einrichtung. Gleichzeitig betonen sie, dass der Inhalt des Sabbatgebotes dabei nicht verändert wurde. Sie verstehen den Sonntag als einen christlichen Sabbat und nennen ihn auch so, so dass diese Bewegung den Namen „Sabbatarianism“ erhält. Die Puritaner sind der Auffassung, dass der Sonntag in gleicher Weise zu beachten ist wie der alttestamentliche Sabbat. Daher haben sie konkrete Vorstellungen darüber, was am Sonntag zu tun und was zu unterlassen ist und fordern vom Staat die Durchsetzung einer strikten Sonntagsheiligung.
Die Forderungen der Puritaner bleiben jedoch nicht unwidersprochen. In den Auseinandersetzungen stehen sich zunächst zwei Gruppen gegenüber: Die hochkirchlichen Anglikaner, die dem kontinentalen Sonntag anhängen („Anti-Sabbatarier“) und die puritanischen Sonntags-Sabbarier. Ab 1617 meldet sich jedoch noch eine dritte Gruppe zu Wort: die Siebenten-Tags-Baptisten.
Auch sie treten für eine konsequente Beachtung des Sabbatgebots ein – und sind dabei so konsequent, dass sie dies nicht am Sonntag, sondern am Samstag tun wollen. Ihre Argumentation ähnelt über weite Strecken derjenigen der Puritaner. Auch sie betonen die Gültigkeit des Gesetzes. Neu ist in diesem Zusammenhang der Hinweis darauf, dass es im Himmel ein Urbild der Bundeslade mit den Zehn Geboten gibt. Wenn es jedoch um die Frage der Verlegung des Sabbats auf den Sonntag geht, greifen die Siebenten-Tags-Baptisten die Gedanken der „Anti-Sabbatarier“ auf, die ja der Auffassung sind, dass es sich beim Sonntag um eine rein menschliche Einrichtung handelt und nicht um ein göttliches Gebot.
Die Sabbatfrage hat für die Siebenten-Tags-Baptisten auch deshalb eine besondere Wichtigkeit, weil sie in Erwartung des „Jüngsten Tags“ leben. Unter Berufung auf das Buch Daniel betrachten sie die Zeit vor der Wiederkunft Jesu als eine Epoche der Gesetzlosigkeit und verweisen in diesem Zusammenhang vor allem auf die Veränderung des zweiten und vierten Gebotes durch die katholische Kirche bzw. das Papsttum. Sie sind überzeugt, dass es in der letzten Zeit entscheidend darauf ankommt, eine „Gemeinde der Übrigen“ zu bilden, die treu zum Glauben und zu den Geboten Gottes steht.
Die Puritaner können sich mit ihren Forderungen bzgl. einer konsequenten Sonntagsheiligung nicht in dem ihren geboten erscheinenden Maße durchsetzen. Dies ist einer der Gründe dafür, dass die „Pilgrim Fathers“ das Mutterland verlassen und in die nordamerikanischen Kolonien auswandern. Sie bringen ihren Sabbat mit und schaffen damit die Voraussetzungen dafür, dass in weiten Teilen der späteren USA die Sonntagsgestaltung – nicht zuletzt aufgrund staatlicher Gesetze – sabbatliche Züge annimmt. Ab der zweiten Hälfe des 17. Jahrhunderts sind auch die Siebenten-Tags-Baptisten in Nordamerika vertreten.
Dort kommt es in der ersten Hälfe des 19. Jahrhunderts zu einer erneuten Diskussion über den Sabbat. Wieder stehen sich die gleichen Lager gegenüber: die „Anti-Sabbatarier“, die puritanischen Sonntags-Sabbarier und die Siebenten-Tags-Baptisten. Allerdings ist die nun ansetzende Sabbatkontroverse noch politischer, als die des 17. Jahrhunderts. Das liegt daran, dass die Puritaner aufgrund ihres großen Einflusses in Amerika zahlreiche Sonntagsgesetze hatten durchsetzen können. Dadurch war es nicht nur verboten, am Sonntag zu arbeiten und zu reisen, sondern auch, an Sportveranstaltungen und öffentlichen Unterhaltungen mit Ausnahme von Konzerten sakraler Natur teilzunehmen. Mehr noch: Jeder, der sich drei Monate lang von öffentlichen Gottesdiensten fernhielt, wurde mit einer Geldstrafe belegt.Daher kann man verstehen, welche Reaktionen es auslöst, als man 1810 plötzlich mit der Postverteilung am Sonntag beginnt. Schließlich muss sich der amerikanische Kongress damit befassen. Dort wird ein Bericht erstellt, diskutiert und angenommen. Darin werden die drei konkurrierenden Auffassungen nebeneinandergesellt und die Empfehlung ausgesprochen, keine der genannten Gruppen durch neue Gesetze zu fördern – also in dieser Frage neutral zu bleiben. Dennoch beginnt eine öffentliche Debatte über den Sabbat. Daran beteiligen sich auch die Siebenten-Tags-Baptisten und entfalten – wiewohl ihre Mitgliederzahl mit 3.400 im Jahre 1830 eher gering ist – eine umfangreiche publizistische Tätigkeit. In den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts kommt es erneut zu einer starken Bewegung zur Einführung strenger Sonntagsgesetze. Sie kann sich jedoch nicht in der von ihr erhofften Weise durchsetzen.