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Bibeltext  Anmerkungen 
12 Und auch meine Sabbate gab ich ihnen, daß sie zum <Bundes->Zeichen seien zwischen mir und ihnen, damit man erkenne, daß ich, der HERR, es bin, der sie heiligt. -
13 Aber das Haus Israel war widerspenstig gegen mich in der Wüste; sie lebten nicht in meinen Ordnungen und verwarfen meine Rechtsbestimmungen, durch die der Mensch, wenn er sie tut, lebt; und meine Sabbate entweihten sie sehr. Da gedachte ich, meinen Grimm in der Wüste über sie auszugießen, um sie zu vernichten.
14 Aber ich handelte <gnädig> um meines Namens willen, damit er nicht entweiht würde vor den Augen der Nationen, vor deren Augen ich sie herausgeführt hatte.
15 Doch auch erhob ich ihnen meine Hand in der Wüste <zum Schwur>, daß ich sie nicht in das Land bringen würde, das ich <ihnen> gegeben hatte, das von Milch und Honig überfließt - die Zierde ist es unter allen Ländern -,
16 weil sie meine Rechtsbestimmungen verwarfen und in meinen Ordnungen nicht lebten und meine Sabbate entweihten; denn ihr Herz lief ihren Götzen nach.
17 Aber ich war ihretwegen betrübt, so daß ich sie nicht vernichtete, und ich machte mit ihnen kein Ende in der Wüste.
18 Und ich sprach zu ihren Söhnen in der Wüste: Lebt nicht in den Ordnungen eurer Väter, und ihre Rechtsbestimmungen bewahrt nicht, und mit ihren Götzen macht euch nicht unrein!
19 Ich bin der HERR, euer Gott: Lebt in meinen Ordnungen, und bewahrt meine Rechtsbestimmungen und tut sie!
20 Und heiligt meine Sabbate, damit sie zum <Bundes->Zeichen seien zwischen mir und euch, damit ihr erkennt, daß ich der HERR, euer Gott bin. -
21 Aber <auch> die Söhne waren widerspenstig gegen mich; in meinen Ordnungen lebten sie nicht, und meine Rechtsbestimmungen bewahrten sie nicht, sie zu tun, durch die <doch> der Mensch, wenn er sie tut, lebt. Und meine Sabbate entweihten sie. Da gedachte ich, meinen Grimm über sie auszugießen, meinen Zorn an ihnen zu vollenden in der Wüste.
22 Aber ich wandte meine Hand zurück und handelte <gnädig> um meines Namens willen, damit er nicht entweiht würde vor den Augen der Nationen, vor deren Augen ich sie herausgeführt hatte.
23 <Doch> auch erhob ich ihnen meine Hand in der Wüste <zum Schwur>, daß ich sie unter die Nationen versprengen und sie in die Länder zerstreuen würde,
24 weil sie meine Rechtsbestimmungen nicht taten und meine Ordnungen verwarfen und meine Sabbate entweihten und ihre Augen hinter den Götzen ihrer Väter her waren. 
Hes.20 berichtet von einer Rede des Propheten aus dem Jahre 591 v. Chr. (Hes.20,1), in der dieser den Ältesten, die mit seiner Hilfe Gott befragen wollen, die Sündengeschichte Israels vorhält (Hes.20,5-26). Hesekiel schildert drei Etappen der Sündengeschichte (nach der Erwählung in Ägypten: Hes.20,5-9; nach dem Exodus: Hes.20,10-16; die zweite Wüstengeneration: Hes.20,17-26). Die Schilderungen gleichen sich in Aufbau und Inhalt (Gottes Heilshandeln – Gottes Gebot – Widerspenstigkeit des Volkes – Zorn Gottes – Gnade Gottes – Strafe). Bei der Schilderung der zweiten und dritten Etappe der Sündengeschichte wird ausdrücklich auf den Sabbat Bezug genommen – und zwar an den Stellen, in denen von Gottes Gebot (Hes.20,11.12; 20,18-20), der Widerspenstigkeit des Volkes (Hes.20,13a; 20,21a) und der von Gott verhängte Strafe (Hes.20,15-16; 20,23-26) gesprochen wird.
Im Zusammenhang mit den Geboten Gottes zeigt sich, welche außerordentliche Bedeutung das Buch Hesekiel dem Sabbat beimisst. Nach dem Hinweis auf die Offenbarung von „Ordnungen“ und „Rechtsbestimmungen“ am Sinai (Hes.20,10.11) wird in besonderer Weise auf den Sabbat hingewiesen (20,12). Schon dadurch ragt er über die anderen Gebote Gottes hinaus. Außerdem wird er – wie der Regenbogen (1. Mose 9,12f.17) und die Beschneidung (1. Mose 17,11) – als ein „Zeichen“ angesehen, dass zwischen Gott und seinem Volk besteht (vgl. 2. Mose 31,13.17).
Als ein solches Bundeszeichen hat der Sabbat eine doppelte Bedeutung. Er soll der Völkerwelt zeigen, dass Israel von Gott geheiligt, d.h. von Gott aus allen Völkern ausgesondert ist (Hes.20,12b; vgl. 2. Mose 31,13). Gleichzeitig soll das Volk selbst durch den Sabbat erkennen, dass Jahwe ihr Gott ist (Hes.20,20b).
Aus dieser herausragenden Bedeutung des Sabbats ergibt sich die absolute Notwendigkeit zur Heiligung des Sabbats (Hes.20,20a). Seine Entweihung (vgl. 2. Mose 31,14) gilt als besonders deutliches Zeichen der Widerspenstigkeit (Hes.20,13a; 20,21a) und als Begründung für Gottes Strafgericht (Hes.20,16.24). Auch außerhalb von Hes.20 wird die Heiligung des Sabbats gefordert (Hes.44,24) und seine Entweihung beklagt (Hes.22,8; 22,26; 23,38; vgl. 2. Mose 31,14). Die Klage über die Entweihung des Sabbats und die Forderung nach seiner Heiligung bezieht sich auf den gottesdienstlichen Bereich. So wird die Verunreinigung des Heiligtums und die Entweihung der Sabbate in einem Atemzug genannt (Hes.22,8; 23,38; vgl. 3. Mose 19,30) und den Priestern vorgeworfen, dass sie – im Zusammenhang mit anderen Vernachlässigungen des Kultes (vgl. 3. Mose 10,10) – auch vor Gottes Sabbaten ihre Augen verhüllen (Hes.22,26). Konkret ist vor allem die Verseuchung des Kultes durch den Götzendienst gemeint (Hes.20,16.24; 23,37-39). Da der Sabbat Zeichen des Bundes zwischen Gott und seinem Volk ist, muss der Vollzug heidnischer Kulte als Entweihung des Sabbats verstanden werden.