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Bibeltext  Anmerkungen 
12 Wenn dein Bruder, ein Hebräer oder eine Hebräerin, sich dir verkauft, dann soll er dir sechs Jahre dienen, und im siebten Jahr sollst du ihn von dir als Freien entlassen. 13 Und wenn du ihn als Freien von dir entläßt, sollst du ihn nicht mit leeren Händen entlassen: 14 du sollst ihm reichlich aufladen von deinen Schafen, von deiner Tenne und von deiner Kelterkufe<. Von allem>, womit der HERR, dein Gott, dich gesegnet hat, sollst du ihm geben. 15 Und du sollst daran denken, daß <auch> du im Land Ägypten Sklave warst und daß der HERR, dein Gott, dich erlöst hat; darum befehle ich dir heute diese Sache. 16 Und es soll geschehen, wenn er zu dir sagt: Ich will nicht von dir weggehen – weil er dich und dein Haus liebt, weil es ihm bei dir gutgeht –, 17 dann sollst du einen Pfriem nehmen und ihn durch sein Ohr in die Tür stechen, und er wird für immer dein Sklave sein; und auch deine Sklavin sollst du so behandeln. 18 Es soll nicht schwer sein in deinen Augen, wenn du ihn als Freien von dir entläßt. Denn das Doppelte des Lohnes eines Tagelöhners hat er dir sechs Jahre lang erarbeitet. Und der HERR, dein Gott, wird dich segnen in allem, was du tust.   Das Gesetz über die Freilassung des Sklaven unterscheidet sich an einigen Stellen von dem des Bundesbuches (2. Mose 21,2-11).
Dazu gehört zunächst, dass nicht mehr vom Kauf eines Sklaven durch seinen Besitzer gesprochen wird (2. Mose 21,2), sondern davon, dass der Sklave sich selbst verkauft (5. Mose 15,12). Auf diese Weise erscheint er nicht als Kaufobjekt.
Außerdem wird nicht mehr zwischen männlichen und weiblichen Sklaven unterschieden (2. Mose 21,7ff. – 5. Mose 15,12).
Am gravierendsten war die Bestimmung von 5. Mose 15,13.14. Vermutlich waren viele Sklaven nach ihrer Freilassung nicht in der Lage, sich eine eigene Existenz aufzubauen und gerieten sehr schnell erneut in den Teufelskreislauf der Verschuldung – mit dem Ende in einer erneuten Versklavung. Daher bestimmte 5. Mose 15, dass den Freigelassenen ein Startkapital mitgegeben werden musste. Die Erinnerung an die Sklaverei in Ägypten und den Exodus (vgl. 5. Mose 5,15) sowie die Aussicht auf den Segen Gottes soll zu diesem Verhalten motivieren (5. Mose 15,15.18). Nichts desto trotz kennt auch das Deuteronomium die freiwillige Sklaverei (2. Mose 21,5.6 – 5. Mose 15,16.17). Es ist jedoch nicht mehr die Rede davon, dass die für diesen Fall vorgesehene Zeremonie „vor Gott“ durchgeführt wird.