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Bibeltext  Anmerkungen 
1 Am Ende von sieben Jahren sollst du einen Schulderlaß halten. 2 Das aber ist die Sache mit dem Schulderlaß: Jeder Gläubiger soll das Darlehen seiner Hand, das er seinem Nächsten geliehen hat, erlassen. Er soll seinen Nächsten und seinen Bruder nicht drängen; denn man hat für den HERRN einen Schulderlaß ausgerufen. 3 Den Ausländer magst du drängen. Was du aber bei deinem Bruder hast, soll deine Hand erlassen, 4 damit nur ja kein Armer unter dir ist. Denn der HERR wird dich reichlich segnen in dem Land, das der HERR, dein Gott, dir als Erbteil gibt, es in Besitz zu nehmen, 5 wenn du nur der Stimme des HERRN, deines Gottes, genau gehorchst, darauf zu achten, dieses ganze Gebot zu tun, das ich dir heute befehle. 6 Denn der HERR, dein Gott, wird dich segnen, wie er zu dir geredet hat. Und du wirst vielen Nationen ausleihen, du aber wirst dir nichts leihen. Und du wirst über viele Nationen herrschen, über dich aber werden sie nicht herrschen. 7 Wenn es einen Armen bei dir geben wird, irgendeinen deiner Brüder in einem deiner Tore in deinem Land, das der HERR, dein Gott, dir gibt, dann sollst du dein Herz nicht verhärten und deine Hand vor deinem Bruder, dem Armen, nicht verschließen. 8 Sondern du sollst ihm deine Hand weit öffnen und ihm willig ausleihen, was für den Mangel ausreicht, den er hat. 9 Hüte dich, daß in deinem Herzen nicht der boshafte Gedanke entsteht: Das siebte Jahr, das Erlaßjahr, ist nahe! – und daß dein Auge <dann> böse auf deinen Bruder, den Armen <sieht> und du ihm nichts gibst. Er aber würde über dich zum HERRN schreien, und Sünde wäre an dir! 10 Willig sollst du ihm geben, und dein Herz soll nicht böse sein, wenn du ihm gibst. Denn wegen dieser Sache wird der HERR, dein Gott, dich segnen in all deinem Tun und in allem Geschäft deiner Hand. 11 Denn der Arme wird nicht aus dem Land verschwinden. Darum befehle ich dir: Deinem Bruder, deinem Elenden und deinem Armen in deinem Land sollst du deine Hand weit öffnen.   Auch das Bundesbuch gibt dem 7. Jahr eine soziale Bedeutung (2. Mose 23,10.11). Dort dient es dazu, dass die Armen des Volkes sich von dem ernähren können, was von selbst auf dem Acker wächst. Das fünfte Buch Mose greift die soziale Intention des 7. Jahres auf, bezieht sie aber auf die Ebene des Geldverleihs.
Besonders wichtig wurden diese Bestimmungen angesichts der Veränderungen der sozialen und wirtschaftlichen Struktur Israels während der Königszeit. Damals bildete sich eine wohlhabende Oberschicht aus Großgrundbesitzern, Beamten, Militärs und Kaufleuten heraus. Die kleinbäuerlichen Betriebe arbeiteten demgegenüber an der Leistungsgrenze. So konnten sie durch Missernten und staatliche Abgaben sehr schnell gezwungen sein, Kredite aufzunehmen. Waren sie nicht in der Lage, die Schuldenbelastung abzubauen, setzte ein Teufelskreislauf ein, an dessen Ende die Schuldknechtschaft stand. Ein alle sieben Jahr stattfindender allgemeiner Schuldenerlass konnte dem entgegen wirken.Das Gesetz stellt den Segen Gottes in Aussicht (5. Mose 15,4b-6). Dennoch bestand die Gefahr, dass potentielle Darlehensgeber aus der Oberschicht angesichts eines bevorstehenden Erlassjahres einen Kredit verweigern. Das Gesetz versucht dieses Problem durch einen Appell an die Solidarität des Darlehensgebers und die Verheißung göttlichen Segens zu lösen (5. Mose 15,7-11).