Sie sind hier: Bibel Altes Testament

Bibeltext  Anmerkungen 
12 Beachte den Sabbattag, um ihn heilig zu halten, so wie der HERR, dein Gott, es dir geboten hat! 13 Sechs Tage sollst du arbeiten und all deine Arbeit tun; 14 aber der siebte Tag ist Sabbat für den HERRN, deinen Gott. Du sollst <an ihm> keinerlei Arbeit tun, du und dein Sohn und deine Tochter und dein Sklave und deine Sklavin und dein Rind und dein Esel und all dein Vieh und der Fremde bei dir, der innerhalb deiner Tore <wohnt>, damit dein Sklave und deine Sklavin ruhen wie du. 15 Und denke daran, daß du Sklave warst im Land Ägypten und daß der HERR, dein Gott, dich mit starker Hand und mit ausgestrecktem Arm von dort herausgeführt hat! Darum hat der HERR, dein Gott, dir geboten, den Sabbattag zu feiern.   In der Einleitung des vierten Gebots wird dazu aufgerufen, den Sabbattag zu „beachten“. Dabei geht es weniger um bestimmte Handlungen, als vielmehr um eine Haltung: dem Sabbat den richtigen Stellenwert geben, ihn aufrecht erhalten und treu zu ihm stehen. Diese Forderung findet sich auch im Kalender der religiösen Feste (5. Mose 16,1).
Warum soll der Sabbat beachtet werden? Weil er „heilig“ zu halten ist. „Heilig“ ist, was aus dem Alltäglichen ausgesondert ist und zu Gott gehört ( z.B. 5. Mose 7,1-6; 14,2.21).
Bei dem Hinweis auf die Sabbatheiligung handelt es sich um eine Erinnerung („… so wie der HERR, dein Gott, es dir befohlen hat!“; vgl. das Elterngebot 5. Mose 5,16). Unklar ist, an welche Fassung des Gebots dabei gedacht ist. Einige Bibelausleger denken dabei an die Bestimmungen des Privilegrechts (2. Mose 34,21) und des Bundesbuches (2. Mose 23,12); andere beziehen diesen Hinweis auf 2. Mose 20,8-11.
Nach dieser Einleitung wird verdeutlicht, worin die gebotene Heiligung des Sabbats besteht: „Sechs Tage sollst du arbeiten und all deine Arbeit tun; aber der siebte Tag ist Sabbat für den HERRN, deinen Gott. Du sollst [an ihm] keinerlei Arbeit tun …“ (5. Mose 5,13.14a). Demnach besteht die Heiligung des Sabbats in der Arbeitsruhe (vgl. Jer.17,24).
Gleichzeitig wird der Sabbat jedoch als „Sabbat für den HERRN“ beschrieben. Auch diese Formulierung findet sich im Festkalender (5.Mose 16,1.2.8.10.15). Daher hat die Heiligung des Sabbats durch Arbeitsruhe auch einen kultisch-religiösen Aspekt.
In das Arbeitsverbot sind alle einbezogen, die zur Lebenswelt des freien Israeliten gehören: „… Du sollst [an ihm] keinerlei Arbeit tun, du und dein Sohn und deine Tochter und dein Sklave und deine Sklavin und dein Rind und dein Esel und all dein Vieh und der Fremde bei dir, der innerhalb deiner Tore [wohnt] …“ (5. Mose 5,14; vgl. 16,11.14; 12,12.18).
An dieser Stelle ist ein Vergleich mit dem Sabbatgebot des Bundesbuches (2. Mose 23,12) interessant. Während dort lediglich der Sohn der Magd und der Fremde angesprochen sind, werden hier Sohn und Tochter, Sklave und Sklavin ausdrücklich erwähnt.
Nach der Aufzählung aller Nutznießer der Sabbatruhe folgt – wie in 2. Mose 23,12 – eine Begründung: „… damit dein Sklave und deine Sklavin ruhen wie du.“ Dabei wird deutlich, dass es nicht nur um eine Atempause geht. Die Sabbatruhe ist zugleich ein Zeichen für die Gleichheit aller Menschen („wie du“). Am Sabbat sind alle Klassenunterschiede aufgehoben.An die Begründung schließt sich der Hinweis auf die Sklaverei in Ägypten und den Exodus an. Die Adressaten werden aufgerufen, daran zu „denken“. Gemeint ist eine vergegenwärtigende Erinnerung (5. Mose 7,18; 8,2; 9,7; 25,17; 32,7). Der Aufruf dazu findet sich auch im Festkalender (5. Mose; vgl. 2. Mose 13,3; Est.9,28). Auch in Ps.111,4 geht es beim Gedenken um den Gottesdienst, in dem man sich an die Wundertaten Gottes erinnert und sie gegenwärtig werden lässt.