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Zusammenfassende Thesen

1. Das Evangelium von der Rechtfertigung des Gottlosen (Röm.4,5) ist das Zentrum des christlichen Glaubens (Gal.1,8.9). Dieses Zentrum hat Auswirkungen auf das Verständnis der anderen Glaubenslehren (Gal.2,11-16; Phil.3,7-9).

2. Im Lichte des Evangeliums ist der Sabbat vor allem als eine Verkörperung des Evangeliums zu verstehen. Die Ruhe von allen Werken ist Ausdruck der Erlösung allein aus Gnaden. Jesus selbst hat bei seiner „Antrittspredigt“ in Nazareth das endgültige Jobeljahr ausgerufen. Die damit verbundene Freilassung betrifft alle Lebensbereiche des Menschen, vor allem jedoch sein Verhältnis zu Gott

3. Diese geistliche Bedeutung des Sabbats kommt vor allem im Gottesdienst zum Ausdruck. Der Sabbat ist aus dem Alltäglichen ausgesondert, gehört Gott und dient dem Gedenken an die Heilstaten Gottes.

4. In alttestamentlicher Zeit wird der Sabbat als Zeichen des Bundes zwischen Gott und Israel verstanden. Dieser Bund gilt auch heute (Röm.9,4; 11,27.29). Das Neue des Neuen Testaments besteht darin, dass die Heiden sich nicht mehr außerhalb des Bundes befinden (Eph.2,12). Insofern ist die Sabbatfeier Ausdruck der Verbundenheit mit dem Judentum.

5. Das Neue Testament zählt den Glauben und das Halten der Gebote zu den wesentlichen Merkmalen der Nachfolger Jesu (Off.12,17; 14,12). Daher hat der Sabbat auch insofern zeichenhafte Bedeutung, als er ein Kennzeichen der Gläubigen ist.

6. Zur Zeit des Alten Testaments wird Segen und Fluch von der Einhaltung der Einhaltung der Gebote und insbesondere des Sabbatgebotes abhängig gemacht. Im Neuen Testament aber hängen Heil und Unheil des Menschen allein von seiner Haltung gegenüber dem Evangelium ab (Joh.3,16-18; Röm.3,28; Gal.3,11.12) – das allerdings eine Verkörperung des Evangeliums ist.

7. Wiewohl der Sabbat Ausdruck des Evangeliums ist, kann er nicht auf ein Symbol reduziert werden. Als Verkörperung des Evangeliums dient er den konkreten Bedürfnissen des ganzen Menschen, anstatt sie zu vergeistigen.
- Der Sabbat fördert die Gleichheit aller Menschen – untereinander und vor Gott.
- Der Sabbat begrenzt den Anspruch der Arbeit auf unser Leben und zeigt, dass der Sinn des Lebens nicht erarbeitet werden muss, sondern in der Beziehung zu Gott liegt (Ruhetag, Sabbatjahr).
- Der Sabbat setzt der Forderung nach wirtschaftlicher Nutzung der Zeit (Flexibilisierung, Kontinuisierung) eine Grenze.
- Die Bestimmungen bezüglich des Sabbat- und Jobeljahres weisen den Anspruch der Wirtschaft auf ungehemmte Entfaltung zurück und treten für Korrekturen zugunsten der Schwachen ein. Sie wollen Akkumulationsprozesse verhindern (Rückgabe an den ursprünglichen Besitzer) und denen, die in wirtschaftliche Nöte geraten sind, die Möglichkeit eines Neuanfangs gegeben (Schuldenerlass, Freilassung aus der Sklaverei). Diese Prinzipien sind angesichts des gegenwärtigen „Turbokapitalismus“ und der zunehmenden Verschuldung der „Dritten Welt“ von besonderer Bedeutung.

8. Das Evangelium vom Sabbat macht deutlich, dass nicht der Mensch, sondern der Sabbat die Krone der Schöpfung ist. Auch die Schöpfung darf Sabbat feiern. Dadurch wird den Eingriffen des Menschen in die Natur eine Grenze gesetzt.

9. Der Sabbat ist das Zeichen der erlösenden Zuwendung Gottes zur Schöpfung. Diese Erlösung ist sowohl gegenwärtige Realität („schon jetzt“) als auch Gegenstand der Hoffnung („noch nicht“). Die mit dem Sabbat verbundene Hoffnung kommt in folgenden Aspekten zum Ausdruck:
- Indem Gott den Sabbat segnet, wird ihm Fortbestand auf Dauer gegeben und so der Menschheit eine Zukunft eröffnet.
- Das zukünftige Heil ist der nie endende Sabbat. Bis dahin behält die wöchentliche Feier des Sabbats ihre Funktion als Zeichen der Hoffnung.