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Hermann Wouk

„Der Sabbat hat immer dann besonders einschneidend in mein Leben eingegriffen, wenn Proben meiner Stücke stattfanden. Die hochgradige Spannung bei Theaterproben am Broadway hat sich längst herumgesprochen und ist durchaus nicht übertrieben. Vor einer Seeschlacht stand ich innerlich viel weniger unter Druck als vor einer Premiere. Während der Proben wird es immer gerade dann Freitagnachmittag, wenn die ganze Aufführung zusammenzubrechen droht. Ich kam mir manchmal wie ein Verräter vor, wenn ich in einer so kritischen Situation am Sabbat festhielt. Aber ich wusste aus Erfahrung, dass es beim Theater immer dasselbe ist. Manchmal stolpert sie auf einen Riesenerfolg zu, aber Stolpern ist jedenfalls die normale Gangart, und leidenschaftliche Ausbrüche sind die normale Stimmung. Also habe ich mich zögernd am Freitagnachmittag von meinen Kollegen verabschiedet, um am Samstagabend zurückzukommen. Nie ist eine Aufführung in der Zwischenzeit hoffnungslos zusammengebrochen. Wenn ich zurückkomme, klappt es genauso wenig wie vorher, und die verzweifelten Ausbrüche haben nichts an Lautstärke eingebüßt. Ich habe mit meinen Stücken Erfolge und Misserfolge erlebt, aber keins von beiden kann ich darauf zurückführen, dass ich den Sabbat einhielt.

Ich lasse also das Halbdunkel des Theaters hinter mir zurück, die überall herumstehenden Kaffeetassen, den Wust der zerfledderten Rollenbücher, die überreizten Schauspieler, die schimpfenden Bühnenarbeiter, den besessenen Regisseur, den auf seinen Knöcheln herumkauenden Produzenten, die klappernde Schreibmaschine, die dichten Tabakschwaden, den Kulissenstaub – und ich komme nach Hause. Der Wechsel ist frappierend – fast so, wie wenn man auf einen Kurzurlaub von der Front kam.

Meine Frau und meine beiden Jungen, deren Existenz ich bei dem aufreibenden Kampf gegen den drohenden Ruin fast vergessen hatte, warten schon auf mich, sie sind festlich angezogen, heiter und in meinen Augen ungeheurer reizvoll. Wir setzen uns zu einem ausgezeichneten Abendessen an den mit Blumen und den alten Sabbatsymbolen geschmückten Tisch; den brennenden Kerzen, den geflochtenen Weißbroten, dem gefüllten Fisch und dem bis zum Rand mit Wein gefüllten Silberpokal meines Großvaters. Ich spreche den uralten Segen über meine Söhne, und wir singen die in heiteren Synkopen gehaltenen Sabbat-Tischlieder.

Das Gespräch dreht sich nicht etwa um die unglückselige Theateraufführung. Meine Frau und ich holen die Unterhaltung nach, zu der wir während der Woche nicht gekommen sind. Die Jungen stellen ihre Fragen, zu denen am Sabbat die beste Gelegenheit ist. Die Bibel, die Enzyklopädie, der Atlas liegen aufgetürmt auf dem Tisch. Wir unterhalten uns über das Judentum, und die Kinder bombardieren uns mit ihren üblichen unmöglichen Fragen nach Gott, die meine Frau und ich mehr oder weniger geschickt beantworten. Für mich ist das Ganze die reinste Wunderkur.

Der Sonnabend verläuft ganz ähnlich. Die Jungen sind in der Synagoge völlig zu Hause und genießen den Gottesdienst. Noch mehr genießen sie, dass sie ihre Eltern heute ganz für sich haben. Während der Woche mit den Schulaufgaben, den Anforderungen des Haushalts und meiner Arbeit – besonders während der Proben für ein Stück – kommt es oft vor, dass sie uns wenig zu sehen bekommen. Am Sabbat sind wir immer da, und das wissen sie. Sie wissen auch, dass ich dann nicht arbeite, und dass auch meine Frau Zeit hat. Dieser Tag gehört ihnen.

Er gehört aber auch mir. Das Telefon schweigt. Ich kann nachdenken, lesen, studieren, spazieren gehen oder gar nichts tun. Er ist eine Oase der Ruhe. Wenn es dunkel wird, kehre ich zurück an den Broadway, und das herrliche, nervenaufreibende Spiel beginnt wieder. Gerade dann kommen mir oft die besten Einfälle zu der heiklen Aufgabe des Streichens und Umschreibens, die sich bis zum Premierenabend hinzieht. Mein Produzent sagte eines Abends zu mir: ‚Ich beneide Sie nicht um Ihre Religion, aber um Ihren Sabbat beneide ich Sie.’“

Hermann Wouk. Das ist mein Gott. Glaube und Leben der Juden. Albrecht Knaus Verlag, Hamburg 1984. 59-61

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Freude auf den Sabbat

...ich enpfinde es als besonderen Segen zum Sabbat, wenn mein vierjähriger Junge mich schon am Sonntagmittag fragt, wann wir denn endlich wieder Sabbatanfang machen,...(Sabine Liu in Marli Weigt (Hg.), Danke für den Sabbat!, Advent-Verlag Lüneburg 2000)

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Fischer auf Fehmarn

Auf der Insel Fehmarn gab es eine sehr lebendige Gemeinde von treuen Christen und einen sehr familiären Gottesdienst an jedem Samstag. Sie feierten Sabbat.
Diese Fischer fuhren am Samstag nie zum Fischfang hinaus. Die anderen Fischer wussten dvon, konnten es aber nicht verstehen. Doch die sabbathaltenden Fischer hatten keinen finanziellen Verlust bei der Abrechnung. Sie erlebten auf diese Weise Segen, den Gott für seine Kinder bereithält, wenn sie ihm treu bleiben. (Anna Eichwald in Marli Weigt (Hg.), Danke für den Sabbat!, Advent-Verlag Lüneburg 2000)