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Der Sabbat ist Ausdruck des Evangeliums, dass wir uns den Sinn unseres Leben nicht durch erarbeiten müssen, sondern bei Gott zur Ruhe kommen und uns von ihm beschenken lassen können. Für die Frage nach der praktischen Gestaltung des Sabbats bedeutet dies: die „richtige“ Gestaltung des Sabbats kann als eine Leistung verstanden werden, die durch die Beachtung von Sabbatgesetzen erbracht wird.

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Das Geschenk des Sabbats drängt darauf, den Alltag zu durchbrechen und unser Leben im Sinne des Evangeliums zu gestalten. Rituale sind dabei unverzichtbar, dürfen jedoch nicht den Charakter von Gesetzen annehmen. Die dem Evangelium vom Sabbat angemessene Kategorie ist die eines gemeinsam gestalteten Festes. Während eine Feier durch Unvorhergesehenes nur gestört wird, ist ein Fest immer offen für Zufälle spontane Einfälle. Ein Fest entzieht sich einem „Regelwerk“.

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Im Hinblick auf den Ablauf des Sabbats legen sich daher folgende Grundsätze nahe:

* Für den festlichen Charakter des Sabbats ist es hilfreich, wenn er bewusst begonnen wird – nicht nur mit einer Andacht, sondern auch mit einem festlichen Essen.

* Im Gottesdienst werden die Heilstaten Gottes vergegenwärtigt. Daher ist der Gottesdienst ein Fest, bei dem wir uns immer wieder neu von Gott überraschen lassen dürfen. Der sabbatliche Charakter des Gottesdienstes zeigt sich vor allem darin, dass der Gottesdienst nicht irgendwelchen Zwecken dient, sondern ein Raum ist, um bei Gott zur Ruhe zu kommen.

„Der … Gottesdienst ist … Einladung, der Versklavung durch den Leistungs- und Zeitdruck unserer Gesellschaft zu entgehen. Wir können Atem holen! In der Begegnung mit Gott lernen wir, unseren Selbstwert nicht nur über unsere Leistungsfähigkeit und unseren Platz in der Bürgergesellschaft zu definieren. Die Pflichten und die Arbeiten, deren Bewältigung ansonsten maßgeblich über unser Leben entscheidet, treten zurück. Wenn wir anbeten, dann werden all die Pflichten, die tausend Zwecke und Sorgen unseres Lebens relativiert. Die Anbetung Gottes befreit uns von aller Verzweckung des Lebens zu uns selbst. Wir sind nicht mehr auf der Suche, auch nicht mehr nur zweckbestimmt, wir sind vielmehr bereits am Ziel angekommen. Denn bei Gott können wir schon jetzt zur Ruhe kommen (Hebr 4) und etwas von dem Sinn unseres Daseins erfahren.“ (Stephan Nösser, Wir feiern Gottesdienst, 26)

* Der Abschluss des Sabbats kann – wie im Judentum – durch eine Zeremonie gestaltet werden, die zum Ausdruck bringt, dass der Sabbat Auswirkungen auf die Gestaltung der Arbeitswoche hat.

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Sabbatlicher Lebensstil bedeutet, den Lebenssinn nicht in Arbeit und Leistung zu sehen und sich deshalb gegen die Vereinnahmung durch die Arbeit zur Wehr zu setzen. Dies darf sich nicht allein auf den siebten Tag beschränken. Auch im Alltag muss der Arbeit eine Grenze gesetzt werden. Dazu kann auch die Einrichtung des Sabbatjahres genutzt werden.

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Sabbatlicher Lebensstil heißt, für gleiche Lebensrechte aller Menschen – ungeachtet aller Unterschiede von Rasse, Religion und sozialer Schicht – einzutreten.

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Sabbatlich leben heißt auch, in ökonomischen und ökologischen Fragen den Prinzipien des Sabbats zu folgen. In diesem Zusammenhang muss berücksichtigt werden, dass die Gesetzmäßigkeiten der Ökonomie universelle Geltung haben und sich niemand ihnen ohne weiteres entziehen kann. Ein „richtiges Leben im falschen“ (Adorno) kann den Willen Gottes daher immer nur beispielhaft deutlich machen und auf diese Weise die Suche nach neuen Wegen offen halten.

* Der Sabbat wird von allen geschäftlichen Aktivitäten freigehalten.
* Der Sabbat dient der Begegnung mit der Schöpfung. Soweit die Möglichkeit dazu besteht, ist es sinnvoll, am Sabbat ein besonderes Zeichen einen verantwortungsbewussten Umgang mit der Schöpfung zu setzen (Verzicht auf das Auto?). Aber auch im Alltag ist ökologisches Bewusstsein gefragt.

* Bei den im Alltag zu treffenden wirtschaftlichen Entscheidungen ist der Grundsatz „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen“ (GG Art. 14.2) von grundlegender Bedeutung. Außerdem erscheint es sinnvoll, Produkte aus „fairem Handel“ zu fördern. Auch die Gemeinde kann hier Akzente setzen (Eine-Welt-Laden, Tauschbörsen etc.)