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Zitate

Zitat  Autor  Anmerkungen 
„… man dient Gott auch durch Nichtstun, ja durch keine Sache mehr als durch Nichtstun. Deshalb nämlich hat er gewollt, dass vor anderen Dingen der Sabbat so streng gehalten werde. Siehe zu, dass Du dies nicht verachtest. Es ist Gottes Wort, was ich schreibe.“  Martin Luther an Philipp Melanchton, 1530   
Den Sabbat heiligen, d.h. ganz frei werden vom Streben nach Glück und vom Willen zur Leistung und ganz in der Gegenwart Gottes da sein.  Jürgen Moltmann   
Der Sabbat ist das Fest des Aufhörens und Loslassens, das Fest des Entkrampfens und Entspannens, das Fest des Innehaltens und Verweilens, das Fest des Aufschauens und Wahrnehmens.  Wolfgang Dietrich   
Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht...!  Jesus Christus  Die Bibel, Markusevanglium 2, 27 
Nicht der Mensch, wohl aber Gottes Ruhm am siebten Tage ist die Krone der Schöpfung.  Karl Barth   
Nach einer alten Legende sprach Gott mit den Kindern Israel und sagte: "Kinder, wenn ihr die Thora annehmt und ihre Vorschriften (Mizwot) befolgt, mache ich euch ein kostbares Geschenk." "Und was wäre das für ein Geschenk?" fragten die Kinder Israel. "Die kommende Welt!" "Sag uns, wie die kommende Welt sein wird!" forderten die Kinder Israel. Und Gott erwiderte: "Ich habe euch schon den Sabbat gegeben. Der Sabbat schmeckt wie die kommende Welt."  Kolatch, Alfred J. <1916 - >: Jüdische Welt verstehen : sechshundert Fragen und Antworten. -- Wiesbaden : Fourier, ©1996. -- ISBN 3-925037-68-3. -- Einheitssachtitel: The Jewish book of why.. -- S. 184. --   gefunden bei Alois Payer 
Der Sabbat ist ein Tag der Freude, weil der Mensch an diesem Tag ganz er selbst ist.   Quelle unbekannt    

Wolfgang Dietrich

Du musst nicht meinen, dass du durch pausenloses und ununterbrochenes Tun und Machen dein Leben sichern – rechtfertigen – kannst.
Du musst nicht denken, dass das eine menschenwürdige Anzeige ist, wenn dann - vielleicht von dir - in der Zeitung geschrieben steht: Sein oder ihr Leben war nur Arbeit. Es könnte oder müsste statt dessen geschrieben stehen: Er oder sie hat es ein ganzes Leben lang nie gelernt, mit der Arbeit aufzuhören und Sabbat zu halten.
Sabbat ist ein hebräisches Wort und müsste eigentlich ausgesprochen werden „Schabbat“. Das hebräische Wort „Schabbat“ heißt auf deutsch nichts anderes als: „aufhören“, „loslassen“.
Der Sabbat ist das Fest des Aufhörens und Loslassens, das Fest des Entkrampfens und Entspannens, das Fest des Innehaltens und Verweilens, das Fest des Aufschauens und Wahrnehmens.
Quelle unbekannt

Nicht ununterbrochen die Erde beernten.
Das Land braucht Erholung.
Das meint das Sabbatjahr.

Die Erde nicht für unerschöpflich erklären.
Sie sich ausruhen lassen.
Das meint das Sabbatjahr.

Die Erde nicht ausschlachten wie eine Beute.
Sie hat ihr eigenes Recht.
Das meint das Sabbatjahr.

Die Ernten nicht steigern zum eignen Bereichern.
Den Landlosen reichen Anteil geben.
Das meint das Sabbatjahr.

Die Erde als Garten der Kreaturen halten.
Auf Hecken und Raine achten.
Das meint das Sabbatjahr.

Die Erde nicht mechanisch vermarkten.
Sie in behutsamen Rhythmen pflegen.
Das meint das Sabbatjahr.

Die Schöpfung aus Erde nie als Besitz behandeln.
Sie offen dem Schöpfer halten.
Das meint das Sabbatjahr.
Quelle unbekannt

Ich, der Befreier, dein Gott, will dir die Chance auftun,
aus der Knechtschaft herauszutreten
und das Fest der Freiheit zu feiern.

Es soll die Farben der Freude tragen.
Es soll nicht den Hauch einer ängstlichen Vorschrift an sich haben.
Es soll eine Wonne sein
und ein großes Los- und Lockerlassen von aller Anspannung.

Denn es kommt aus der großen Ruhe,
die das ganze Schöpfungswerk umfängt.
Es kommt aus dem Weg ins Freie,
den ich heraus aus dem Sklavenhaus führte.

Es wird gefeiert am siebten Tag
und im siebenten Jahr und im sieben mal siebenten Jahr
und warum nicht auch in der siebenten Minute.
Denn es will dein und deiner Mitmenschen
und deiner Mitkreaturen und deiner Miterde ganzes Leben durchdringen
mit dem Sauerteig festlicher Freiheit.
Quelle unbekannt

Erich Fromm

"Der Sabbat ist die wichtigste Idee innerhalb der Bibel und innerhalb des späteren Judentums. Es ist die einzige strikte religiöse Anweisung der Zehn Gebote, ihre Einhaltung wird sogar von dem im übrigen antiritualistischen Propheten gefordert. Es war das am striktesten befolgte Gebot in den 2000 Jahren des Lebens in der Diaspora, obwohl gerade diese Einhaltung erschwerte. Es ist kaum zu bezweifeln, dass der Sabbat ein Lebensquell für die in alle Winde zerstreuten, machtlosen und oft verfolgten Juden war; dass sich ihr Stolz und ihre Würde erneuerten, wenn sie wie Könige den Sabbat feierten. Ist der Sabbat nichts weiter als ein Tag der Ruhe im weltlichen Sinn der Befreiung des Menschen von der Last der Arbeit, wenigstens an einem Tag? Natürlich ist er auch das, und diese Funktion macht ihn zu einer der großen Errungenschaften in der Evolution des Menschen. Doch wenn dies alles wäre, hätte der Sabbat wohl kaum die zentrale Rolle gespielt, die ich eben beschrieben habe. Um diese Rolle zu verstehen, müssen wir zum Kern dieser Institution vordringen. Es handelt sich nicht um Ruhe an sich in dem Sinne, dass man jegliche physische oder geistige Anstrengung meidet; es geht um Ruhe im Sinne der Wiederherstellung vollständiger Harmonie zwischen den Menschen und zwischen Mensch und Natur. Nichts darf zerstört und nichts aufgebaut werden; der Sabbat ist ein Tag des Waffenstillstandes im Kampf des Menschen mit der Natur. Sogar das Abreißen eines Grashalms wird ebenso als eine Verletzung dieser Harmonie angesehen wie das Entzünden eines Streichholzes. Auch keine gesellschaftlichen Veränderungen dürfen vorgenommen werden. Das ist der Grund, warum es verboten ist, etwas auf der Straße zu tragen, selbst wenn es so wenig wiegt wie ein Taschentuch, während es erlaubt ist, im eigenen Garten eine schwere Last zu tragen. Nicht das Tragen als solches ist verboten, sondern der Transport eines Objektes von einem privaten Grundstück zu einem anderen, da es sich bei einem solchen Transfer ursprünglich um die Veränderung von Eigentumsverhältnissen handelte. Am Sabbat lebt der Mensch, als hätte er nichts, als verfolgte er kein Ziel außer zu sein, das heißt seine wesentlichen Kräfte auszuüben - beten, studieren, essen, trinken, singen, lieben.
Der Sabbat ist ein Tag der Freude, weil der Mensch an diesem Tag ganz er selbst ist. Das ist der Grund, warum der Talmud den Sabbat die Vorwegnahme der Messianischen Zeit nennt und die Messianische Zeit den nie endenden Sabbat; der Tag, an dem Besitz und Geld ebenso tabu sind wir Kummer und Traurigkeit, ein Tag, an dem die Zeit besiegt ist und ausschließlich das Sein herrscht."

Haben oder Sein, München 1979, S. 56

Am Sabbat lebt der Mensch, als hätte er nichts, als verfolge er kein Ziel außer zu sein, das heißt seine wesentliche Kräfte auszuüben, beten, studieren, essen, trinken, singen, lieben. Haben oder Sein, München 1979 Seite 57

B. Mayer

SABBAT - Traum

Die bösen Worte werden
unbuchstabierbar.
Die Sorgen lösen sich auf wie
Morgennebel.
Die Vögel singen übermenschlich
gut.
Der Presslufthammer
ruht.
Die Häuserwände lassen sich gerne
mit dem Schatten der großen Bäume
bewerfen.
Die Katze des Nachbarn liegt auf der Mauer
aber
nicht auf der Lauer.
Das Graffiti auf dem Stromkasten
wird endlich
gelesen:
Eine Liebeserklärung
hingesprüht
von
irgendeinem
T. an eine Unleserliche.

Quelle unbekannt

Andrea Schwarz

Entschleunigungen

Was ist los mit unserer Welt?
Was ist los mit unserer Zeit?
Immer mehr
immer besser
immer schneller
schneller
besser
mehr
lauter
hektischer
anstrengender
noch eine Idee
noch ein Termin
noch eine Aktivität
noch ein Plan
noch eine Veranstaltung
noch ein Gremium.

Wir legen uns krumm
sichern uns ab
amüsieren uns zu Tode.
Wir stopfen uns voll mit Bildern
und Eindrücken
und lärmen und hasten
und machen und tun
und strengen uns noch mehr -
und doch ändert sich nichts –
also noch mehr machen
noch besser
noch schneller
noch mehr?

Noch mehr von demselben!?

Das scheint nicht der Weg zu sein,
der unsere Sehnsucht stillt
ganz im Gegenteil
ein dumpfer Verdacht beschleicht mich:
Könnte es sein,
dass wir das Eigentliche verloren
vergessen
verdrängt haben -
dass wir unsere Wurzeln abgeschnitten
unseren Grund verlassen
die Quellen zugeschüttet haben?
Könnte es sein
dass wir gerade deshalb so viel tun?
Könnte es sein,
dass wir die Fragen nicht mehr aushalten
und deshalb dauernd Antworten geben?
Könnte es sein
dass wir die Stille nicht mehr aushalten
und deshalb so laut geworden sind?
Könnte es sein
dass wir uns selbst nicht mehr aushalten
und uns deshalb so nach außen orientieren?
Könnte es sein
dass wir vor lauter Unterwegs-Sein
das Ziel aus den Augen verloren haben?
Könnte es sein ... ?

Vielleicht ist jetzt etwas anderes angesagt
vielleicht müssen wir den Teufelskreis
von Machbarkeit, von Leistung und Tun
durchbrechen
um das zu finden was wir wirklich suchen
damit unser Herz ruhig wird
unsere Sehnsucht sich stillt?
Vielleicht ist jetzt
innehalten angesagt
Tempo herausnehmen

entschleunigen

sich neu orientieren
den Weg neu bestimmen.
Vielleicht ist es angesagt
Abschied zu nehmen
vom Glauben an die Machbarkeit
vom Überzeugt-Sein
„alles hängt allein an mir“
vom Glauben an die Götzen
Macht, Besitz, Leistung.

Vielleicht ist lassen angesagt
sich lösen
von vordergründig Wichtigem
sich lösen
von Erwartungen, Bildern, Ideen
um neu hinzuschauen
hinzuhören
sich hinzugeben in den Strom
der Lebendigkeit
in die Liebe Gottes
um neu zu sein
und neu zu werden.

Andrea Schwarz
Quelle unbekannt

Rainer Schnebel

Ballade: Heilung am Sabbat (nach Lukas 14:1-6)

Der Sabbat ist eine kostbare Macht,
von Gott für uns Menschen ausgedacht.

Von den Juden wird er sogar heilig genannt
und sehr viele Regeln sind dazu bekannt.

Auch Jesus kannte diese Regeln genau,
er fand die nicht alle richtig und schlau.

Nun ist da ein Mensch voll von Schmerzen,
wassersüchtig bis hinauf zum Herzen.

Und es ist Sabbat, Zeit zum Ruhn,
darf man an einem Sabbat Gutes tun?

Die Pharisäer bei Jesus schweigen nur,
von einer Antwort keine Spur.

Jesus berührt den Menschen, der wird gesund,
und hat darum zur Freude allen Grund.

Nun ihr Pharisäer, war das Heilen schlecht,
oder nennt ihr Gutes tun ungerecht?

Wenn Hilfe oder Heilung notwendig sind,
dann tut es und seid nicht gesetzesblind.

Quelle: Evangelische Bezirksjugend Offenburg